Ansprache von Bärbel Petersen, Norddörfer Biike 2000

Liebe Sylter, liebe Gäste,

am Biikefeuer wird immer von Tradition gesprochen. Von den den Walfängern, die verabschiedet werden, vom Ting-Halten am Feuer und von heidnischen Bräuchen, wie den symbolisierten Glauben an die Naturgewalten. Auch wollte man die Götter durch Opfergaben gnädig stimmen und [durch] die Winterverbrennung ... [der] Strohpuppe auf dem Biikefeuer.

Ich möchte heute am Biikefeuer einmal in die noch nicht so entfernte Vergangenheit zurückdenken. An jene Zeit, wo jeder Norddörfer seine Kreativität in die Biike einbringen durfte, was sich bis heute nicht geändert hat.

Da waren die Konfirmanden, die gleich nach Weihnachten damit begannen, die trockenen Bäume vom vergangenen Fest zu sammeln und zu einem Haufen aufzuschichten. Diese Haufen wurden verteidigt und bewacht und von den einzelnen Dörfern gegenseitig vorher angezündet. Es war nicht selten, daß es zwei bis drei Tage vor dem eigentlichen Fest schon brannte und so mußte man schnell improvisieren, denn brennbares Material war nicht so leicht zu bekommen.

Für die halbwüchsigen Jungen war dies alles sogleich eine Bewährungsprobe und nach einer erfolgreichen Biikewache fühlte man sich gleich etwas erwachsener. Aus heutiger Sicht würden die Eltern die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Die Mädchen begannen derweil, abgetragene Kleidung vom Vater, Großvater, Onkel, Nachbar oder auch Lehrer zu besorgen. Hatten sie genügend Material beisammen, begannen sie damit eine Strohpuppe zu bauen. In diese Strohpuppe wurde so maches Mal jemand anderes hinein interpretiert, als der Winter. Es war immer eine Attraktion in dieser unterhaltungslosen Winterzeit. Ich will nicht sagen,daß diese Zeit besser war. Sie war nur anders.

Heute sammeln die Jugendfeuerwehr und die Gemeindearbeiter das Gestrüpp an einem Tag. Manchmal muß die Biike nicht einmal mehr bewacht werden, weil sie mit moderner Hilfe am selben Tag aufgeschichtet wird. Die puppe wird von der letzten Grundschulklasse mit viel Liebe gefertigt und am Ende sieht die biike aus, wie wir sie alle kennen und lieben.

Es ist schön, daß sich immer so viele Norddörfer, Sylter und ihre Gäste am Feuer versammeln, um damit die alte Tradition in dieser schnelllebigen Zeit zu waren. Auf keiner anderen Veranstaltung trifft man so viele Sylter und Norddörfer, die extra für die Biike wieder nach Hause gekommen sind. Zum Beispiel seinen Schulfreund oder Schulfreundin, dn oder die man schon lange nicht mehr gesehen hat - an der Biike läuft er oder sie einem bestimmt einmal über den Weg.

Abschließend möchte ich noch einen Dank an die alten Friesen aussprechen, hätten sie nicht so viel Flexibilität in der Auswahl der Gründe für ein Biikefeuer gezeigt, wäre diese Tradition bestimmt mit den Walfängern verschwunden.

Ich wünsche allen einen angenehmen Nachhauseweg und guten Appetit zum anschließenden Grünkohlessen.