Ansprache von Bürgermeisterin Petra Reiber, Westerländer Biike 2000

Liebe Westerländer, liebe Sylter, verehrte Gäste,

seit Hunderten von Jahren entzünden die Küstenbewohner des Nordfriesischen Festlandes und der Inseln ein Feuer, das damals die Männer, die zum Walfang hinausfuhren, verabschieden sollte und uns heute an die Erhaltung und den Schutz der Heimat ermahnt. Auch wenn Sie, verehrte Gäste, hier herzlich willkommen sind, darf doch der nordfriesische Feuerkult nicht als Touristenattraktion missverstanden werden. Vielmehr haben die Insulaner mit ihrem tief verwurzelten Traditionsbewusstsein und ihrer Liebe zu dieser schönen Insel die Biike und den morgigen Petritag als ihr Heimatfest ins neue Jahrtausend geführt. Der Petritag ist für uns ein so wichtiger Feiertag, dass die Kinder schulfrei bekommen und getanzt werden darf in der Freude mit dem Biike-Feuer den Winter vertrieben zu haben.

Der Winter prägte mit dem Orkan Anatol am 3. Dezember und mit der Sturmflug Kerstin am 30. Januar erneut das Gesicht der Insel. Ein Großteil unseres Baumbestandes ist entwurzelt, am Roten Kliff in Kampen ging Land verloren, die enormen Sandverluste an der Westküste sind eine Bedrohung für die Dünen und gefährden den Schutz der Küste. Die Insulaner leben seit Jahrtausenden im Kampf mit der Natur. Einen Orkan in der Stärke von Anatol haben die Sylter seit Generationen noch nicht erlebt. Zeigen sich hier Auswirkungen der weltweiten Klimaveränderung und des Anstieges des Meeresspiegels oder hatten wir in den vergangenen 10 Jahren einfach nur Glück? Niemand weiß eine genaue Antwort auf diese Frage. Zahlreiche Wissenschaftler in ganz Deutschland untersuchen am Beispiel Sylt die Folgen des Klimawandels. Sie prognostizieren, dass sich die Insel verkleinern wird, sich weiter nach Osten verlagern wird, die Erosionen wie am Roten Kliff zunehmen und es besteht ein erhöhtes Risiko von Durchbrüchen an den schmalen Enden der Insel. Angeblich steigt auch die Wahrscheinlichkeit einer Inselüberflutung von der Ostseite her.

Nach den vergangenen Stürmen wuchs auf Sylt die Sorge, ob wir den Rest des Winters sicher - sprich ohne Überflutung - werden überstehen können. Die Sandpolster am Weststrand wurden stark ausgeräumt. Viele erinnert dies an die bittere Erfahrung vergangener Generationen, deren Leben ständig durch Stürme und das Meer bedroht waren. Am Existenzkampf der Sylter hat sich in den letzten 1000 Jahren kaum etwas geändert. Er war immer hart, ob am Anfang als noch die Landwirtschaft gegen Versandung und Küstenabbruch verteidigt werden musste, ob später beim Wal- und Robbenfang oder heute, wo der Tourismus das Überleben ermöglicht. Der Preis ist jedenfalls heute höher denn je. Indirekt tragen alle Steuerzahler mit einem Obolus zum Erhalt der Insel bei. Seit 1972 sind über 200 Mio DM in die Sandvorspülungen geflossen. In diesem Jahr sollen 2 Mio. m³ Sand vorgespült werden. Fachleute stellen bereits die Frage, ob diese immensen Aufwendungen den Nutzen überwiegen. Die Kosten werden steigen, während das Land Schleswig-Holstein zunehmend unter Finanzknappheit leidet. Dennoch sind wir dankbar, dass das Land die Aufgabe des Küstenschutzes übernommen hat. Wir müssen darauf vertrauen, dass die von den Fachämtern angeordneten Küstenschutzmaßnahmen ein Höchstmass an Sicherheit gewährleisten. Küstenschutz ist Inselschutz und Inselschutz bedeutet Erhalt des Nationalparks Wattenmeer. Auch daran sollen uns die Biiken auf den Inseln und dem nahen Festland erinnern.

Besonders danken möchte ich den Männern und Frauen, die beim Katastrophenalarm anlässlich der beiden Stürme im Einsatz waren. Nämlich der Feuerwehr, der Polizei, dem DRK, der Verwaltung und dem Tourismusservice. Ohne deren Mithilfe könnte auch die heutige Biike nicht stattfinden. Ebenso ein Dankeschön dem Westerländer Musikverein für die musikalische Begleitung.

Ihnen allen wünsche ich ein schönes Fest und guten Appetit beim Grünkohlessen.