Ansprache von Kreispräsident Wree, Tinnumer Biike 2000

Herr Bürgermeister Liebing, Herr Ortsbeiratsvorsitzender Ueckermann, gerne bin ich als Kreispräsident des Kreises Nordfriesland hier nach Tinnum gekommen, und ich muß Euch ganz ehrlich eingestehen, ich bin doch überrascht über die große Zahl der Menschen, die hier zur Biike kommen. Ich weiß nicht, sind das alles Tinnumer oder ist die ganze Insel Sylt hier - ich bin überrascht und ich muß Ihnen sagen: Ich bin gerne hierher gekommen um bei diesem alten traditionellen Fest dabeizusein und ich höre ja und sehe ja, daß Ihr diese Tradition sehr pflegt.

Denn wer denkt heute schon daran, daß dieses Feuer entzündet wird nach altem Brauch der Friesen. Die Friesen haben ein Opfer gebracht, ihrem Gott Wodan gegenüber und haben sich diesen Brauch auch nicht nehmen lassen, dadurch, daß sie christianisiert worden sind. Denn die Friesen, daß sind schon immer wehrhafte Leute gewesen. Man hat sich wohl nicht getraut, auf der anderen Seite, denke ich, gute Christen waren die Friesen noch nie zu keiner Zeit in der Geschichtsschreibung. Es war ein Feuer zur Verabschiedung ja auch der seefahrenden Männer hier von Sylt, denn viele sind ja zur See gefahren und nicht alle sind wiedergekommen, wir wissen das. Dafür war es dann auch ein Abschied für viele für immer. Die Biike ist aber auch entzündet worden, um sich zu freuen, ... darüber daß das Licht wiederkam und das es damit - hat man gefeirt den Sieg der Sonne über den bösen Winter. Und es war eine alte Friesenregel, daß nach dem Biiketag kein Vieh mehr gefüttert wurde bei Licht im Stall.

Es war früher den Konfirmanden - und ich habe gehört, daß man diesen Brauch auch wieder aufleben läßt - Aufgabe der Konfirmanden, die Biike zusammenzutragen und besonders die kleineren Jungs waren verärgert, daß sie noch nicht dabeisein konnten, um das hier dann mit aufzubauen. Und die wurde dann ja auch bewacht, wie ich höre, das tut mittlerweile der Beirat. [...] Und daß hier mit Öl und Petrolium ein bischen nachgeholfen wurde, daß hab ich gerade eben auch gesehen und das ist gut. Und ich denke daß der alte Brauch mit der Teertonne obendrauf oder mit einer Strohpuppe hier ja auch wieder praktiziert wird. Das ist etwas, was ich mir auch angelesen habe, um hier im Film zu sein.

Es waren aber auch diese Biikefeuer stets ein Zeichen der friesischen Schicksalsgemeinschaft. Schicksalsgemeinschaft im Kampf gegen Sturm, See und Tyrannei und Fremdbestimmung jeder Art, denn das Leben hier an der Küste war schon immer ein bischen harter als anderswo.

Man hat aber auch stets diese Feuerreden genutzt, um aktuelle Probleme hier anzusprechen und was den Friesen obenauf lag. Und das will ich heute auch tun, ich denke und hier möchte ich erstmal die Sylter ansprechen, und das ist ein internes Problem: Sie kennen die Organisation des Tourismusverbandes und Fremdenverkehrsverbandes. Ich denke, ich möchte hier die Sylter ermahnen, bei diesen Organisationen dabeizubleiben, sich hier einzubringen und sich nicht Abseits zu stellen, denn gerade in diesen Verbänden brauchen wir das Gemeinsame um dann auch gegenüber anderen Regionen einiges zu bewegen. Ich denke, das ist etwa ganz wichtiges.

Aber ich möchte auch ansprechen - ich kann keine Friesisch, wobei ich glaube, das ist gerade eben angeklungen in der Rede des Friesen hier, ich möchte auch ansprechen, daß der Küstenschutz - und ich ziehe eine Mahnung an die Landesregierung - daß man den Küstenschutz nicht vernachlässigt. Wir haben ja gerade eben gesehen, daß durch den Sturm Anatol hier erhebliche Mengen weggespüät sind und hier [...] ist die Landesregierung in der Verantwortung um auch die nötigen Mittel bereitzustellen, um hier für die Küste und den Küstenschutz wieder etwas zu tun.

Und nun zurück zur Tradition, Ich denke, das ist zum Abschluß auch wichtig: Denken Sie bitte alle daran, daß wir heute ein uraltes Friesenfest feiern, [...] daß unsere Vorfahren und mitgegeben haben. Geben wir uns Mühe, daß wir es weiterhin behalten und ich sehe daß man sich hier viel Mühe gibt, damit die Sitte und der Brauch eine alte Eigenart unseren Heimat auch erhalten bleibt. Etwas für die Tradition zu tun, heißt nicht die Asche auf aufbewahren, sondern die Flamme der Begeisterung weiterzugeben und da bin ich nicht in Sorge, wenn ich diese Riesenmenge von Menschen sehe. Ich wünsche uns Nordfriesen, aber Euch Tinnumern insbesondere, ein gutes Jahr zur nächsten Biike im Jahre 2001.