Ansprache von Bürgervorsteherin Gerda Wimmer, Westerländer Biike 2001

Liebe Besucher,

Als Bürgervorsteherin der Stadt Westerland rufe ich allen Syltern ein hier übliches "Moin - Moin" und unseren Gästen ein "Herzlich Willkommen" zum heutigen Fest der Biike zu.

Mit unserer Bürgermeisterin Petra Rieber und vielen Vertretern aus Politik und verwaltung dürfen wir mit Ihnen das Nationalfest der Friesen feiern.

Dieses fest hat eine Tradition, die sich im Laufe der Jahrhunderte in seiner Bedeutung mehrfach wandelte. Wurde früher auf unseren alten Thinghügeln und Hünengräbern unter freiem Himmel Recht gesprochen, am Abend des 2. Februar Wodan zu Ehren ein Feueropfer gebracht, änderte es sich im 17. und 18. Jahrhundert. Landwirtschaft und Fischfang boten der Insel keine gesicherte Lebensgrundlage mehr; es fuhren viele Sylter als Walfänger in die weite Welt und mehrten mit der reichen Beute ihren und den insularen Besitzstand. Aus dem germanischen Opferfeuer wurde ein Abschiedsfeuer für die Walfänger auf den Inseln und dem Festland und zeigte gleichzeitig die damalige Verbundenheit der Insel- und Festlandfriesen.

Nach den jeweiligen Verboten des Biikefeuers während der Kriegsjahre wurde der Brauch der Sylter wieder aufgenommen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts war es nun das Vorrecht der Konfirmanden für die Biike zu sorgen; sie sammelten Weihnachtsbäume und Strandholz für das Feuer. Jede Gemeinde wollte natürlich den größten Holzturm haben - die Biiken wurden überwacht, weil es doch immer mal wieder vorkam, dass eine Biike vorzeitig "abfackelte" - die Schadenfreude der anderen war dann natürlich groß. Aus Sicherheitsgründen ist jetzt hauptsächlich die Feuerwehr in Zusammenarbeit mit dem Bauhof zuständig.

Mein Dank gilt heute allen Helferinnen und Helfern, die diesen Abend so gut vorbereitet haben.

Trotz aller Veränderungen (sie waren nicht immer gut!) die sich im Laufe der Zeit ergeben haben, sind wir stolz, auf dieser schönen Insel leben zu dürfen, gute Gastgeber für unsere Gäste zu sein.

Geschichtliche Veränderungen, Sturmfluten und andere Katastrophen haben wir hinnehmen müssen. Vor 2 Jahren wies ich in meiner Rede auf die Ölkatastrophe in der Nordsee auf Grund der "Pallas"-Haverie hin und mahnte mit anderen Vertretern der Insel entsprechende Änderungen bei Land und Bund an. Passiert ist bisher nichts.

Im Dezember 1999 zerstörte der Orkan "Anatol" über 60% unseres Baumbestandes und richtete auf der ganzen Insel immernse Schäden an.

Große Hilfe und Unterstützung bekamen wir von der Bundeswehr. Sie stand und steht jederzeit im Einsatz für Sylt und seine Bewohner. In vielen, oft freiwilligen Einsätzen helfen sie Soldaten mit, unsere Insel zu retten, zu schützen und zu erhalten. Wie es ohne Soldaten auf der Insel aussehen wird, ist nicht vorstellbar! Unzählige Arbeitsplätze gehen verloren, die Wirtschaftskraft wird enorm eingeschränkt, Häuser und Liegenschaften werden dann zu Preisen auf den Markt kommen, die sich kaum ein Sylter leisten kann. Das darf nicht sein.

Nun ist wirklich insulares Denken und Handeln angesagt: es geht hier nicht nur um List, Sylt-Ost oder Westerland, es geht um die ganze Insel.

Planungshoheit und Planungsrecht müssen in unseren Händen bleiben; nur so können wir das Schlimmste zwar nicht verhindern, aber doch in Grenzen halten. Wir werden Hilfe von außen brauchen. Land und Bund tragen die Verantwortung für unsere Soldaten, Zivildienstleistenden mit deren Famlilien; auf sozialverträgliche Lösungen muß vorrangig geachtet werden.

Mein Appell geht heute an jeden einzelnen Insulaner, helfen Sie mit, unsere Insel in ihrer unvergleichlichen Art zu schützen und zu erhalten!

In diesen Appell schließe ich natürlich auch unsere Gäste ein: Kommen Sie zu uns, unterstützen Sie uns mit Ihrem Besuch auf unserer schönen Insel Sylt.