Ansprache von Bürgermeister Erik Mannstedt, Norddörfer Biike 2001

Lev söl`ring Liir, liebe Norddörfer, liebe Freunde unserer Insel, liebe Gäste, Ihnen allen ein herzliches Willkommen zur Biike 2001. Das Biikebrennen und der Petritag, der höchste Feiertag der Friesen, erfahren im ersten Jahr des neuen Jahrtausend besondere Aufmerksamkeit. Das Land Schleswig-Holstein hat im Rahmen des "Jahres des Tourismus" dieses Ereignis, die Nordfriesischen Biiken, herausgestellt. Für uns kein touristisches Ereignis, sondern ein Ereignis zwischen Tradition und Zeitgeschehen, von denen sich ganz besonders viele Ehemalige Insulaner angezogen fühlen. Ihnen ein besonders herzliches Willkommen, wie allen hier anwesenden Gästen und Freunden der Norddörfer, die sich zum wiederholten Male an unserem Biikefeuer eingefunden haben. Ganz besonders begrüße ich unsere Kinder und Jugendlichen.

Mitglieder der Jugendfeuerwehr und der Schule haben wie in jedem Jahr, aktiv zu unserer Biike beigetragen. Das Ereignis beginnt mit dem Einsammeln der Tannenbäume in den Orten. Mit Begeisterung organisieren die Kinder der Wehr einen aufregenden Wachdienst in der letzten Nacht - und die Schulkinder stellen die Strohpuppe, heute das Symbol für den Winter, fertig. Sie sehen liebe Besucher, seit jeh her wird die jüngste Generation eng in die Vorbereitungen einbezogen, dass wir hier, der Tradition verpflichtet, dieses Feuer entzünden können.

Jetzt wo die Flammen zum Winterhimmel auflodern, stehen sie als ein Zeichen der Verbundenheit zu Familie, Freundschaft und Tradition. Eine Tradition, auf die wir nicht verzichten wollen, die uns stärkt und zusammenhält. Eine Tradition, die wir mitgenommen haben ins jetzige Jahrtausend, die uns auch Schutzschild ist für alle Unwegsamkeiten, die auf unsere Heimatscholle eindrängen.

Der Ursprung aber ist in einem alten Fruchtbarkeitskult zu suchen, der auf die ersten Bauern in der mittleren und jüngsten Steinzeit zurückgehen dürfte. Opferfeier mit Opfergabe, um für gutes Gelingen der Saat und eine glückliche Fahrt auf See zu bitten. Die Sinngebung - hat sich laufend verändert. In christlicher Zeit standen die Biiken für die Vertreibung des Winters, den Beginn der landwirtschaftlichen Tätigkeit. Im 17. und 18. Jahrhundert waren die Biiken Mittelpunkt der Abschiedsfeier für die Seeleute, den Waalfängern, die in großer Zahl die Insel zum Waalfang verließen und nicht immer alle wieder kamen.

Die Biike war auch sichtbare Aufforderung, um zum Petritag, zum Thing, dem Versammlungs- und Gerichtstag, am nächsten Tag zu kommen.

Seit den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts werden besondere Anlässe und Ereignisse in den Reden an der Biike angesprochen. Da ging es um Sturmfluten, um Sprachpflege und Katastrophen mit ihren verheerenden Folgen oder es wurde auf den Verfall von Sitten und Gebräuchen in den Ansprachen hingewiesen. Und so ist es eigentlich geblieben.

Liebe Biikebesucher,
auch in diesem Jahr erwartet keiner, dass wir hier am Feuer Antworten finden auf die Fragen, die sich aus unserer sich ständig ändernden, angegriffenen und unsicheren Insellage immer wieder stellen.

Sind uns aus jüngster Zeit Stürme wie Anatol und Kerstin noch gut in Erinnerung, und alle Wunden noch nicht geheilt, so bewegt uns der Wunsch, die Notwendigkeiten und Bedürfnisse unserer Gemeinschaft, mit aller Hilfe, aber in eigener Verantwortung, eben nicht fremdbestimmt, zu begleiten. Sylter wissen seit Generationen um Küsten- und Naturschutz, wissen um den Erhalt unserer sandigen und landseitigen Küste. Es sind seit jeher die zentralen Fragen für uns Inselbewohner, andere Fragen kommen immer wieder dazu.

Die aktuelle Entscheidung, der komplette Abzug der Bundeswehr von dieser Insel, macht spontan betroffen. Soldaten und Familien, die die Insel und ihre Bewohner liebgewonnen haben, sind verunsichert ob ihrer Zukunft - Wegzug, Arbeitslosigkeit, Verlust der Heimat - was kommt alles auf uns zu, sind ihre Fragen. Die Inselbevölkerung insgesamt verliert ein Stück Sicherheit, die uns die stationierten Soldaten viele Jahrzehnte gegeben haben und für deren Schutzeinsatz wir immer besonders dankbar waren. Kein leichter Abschied steht uns ins Haus. Sylt, ihre Bevölkerung, wird sich auf diese neue Situation aber einstellen müssen und Vorsorge planen. Trotz der augenblicklichen Betroffenheit ist diese, für die Insel einschneidende Veränderung auch eine Chance für die Weiterentwicklung unseres beliebten Eilandes. Wir werden Lösungen finden, die der Bevölkerung, unseren Gästen und der touristischen Weiterentwicklung unserer Heimat und Ferieninsel dienen.

Wir haben ein wunderschönes Erbe, die Insel Sylt, übernommen. Wenden wir alle Kräfte auf, dieses hohe Gut zu erhalten und zu schützen. Wir haben eine Verpflichtung den nachfolgenden Generationen gegenüber, - die wiederum ihre Verpflichtung zum Erhalt der Insel, unserer Heimat, übernehmen werden.

Sichern wir alle gemeinsam und unter Aufbietung aller Kraft unsere Insel. Sylt braucht die Überzeugung und Durchsetzung zum vorrangigen Küstenschutz auch im neuen Jahrtausend.

Unseren Besuchern vom Festland möchte ich sagen: Wir freuen uns auf ihren Besuch, wünschen Ihnen gute Tage in dieser herrlichen Natur. Tragen auch Sie, wann immer Sie Sylt besuchen, bei zum Schutz der Dünen, der Heide, dem Kliff und der Watten. Wir alle wollen es so behalten wie es heute noch ist.

Liebe Norddörfer, sehr vereehrte Gäste, liebe Kinder und Jugendliche uns allen, wünsche ich von dieser Stelle aus, für den heutigen Abend, einen anregenden Klönschnack, gute Gedanken bei wohlschmeckendem Grünkohl und wer darf, mit "lütten Klaren".

Herzlichen Dank sage ich allen, die zur Ausrichtung der Biike und dem morgigen Petritag und Tanz beitragen, den Kindern und Jugendlichen, unseren Mitarbeitern und dem Norddörfer Musikverein, der uns seit Jahrzehnten an dieser Stelle die Treue hält.

Herzlichen Dank und Tschüß, bis morgen zum Piddersdai in der, für Sie, festlich geschmückten Norddörfer Halle.