Ansprache von Manfred Ueckermann, Tinnumer Biike 2002

Lieber Tinnumer, liebe Sylter und Gäste,

Als Ortsbeiratsvorsitzender von Tinnum darf ich alle von Herzen willkommen heißen. Ich freue mich sehr, dass so viele den Weg zu unserer Biike gefunden haben.

Mein Dank geht an alle Helfer und Helferinnen der Gemeinde, Feuerwehr, dem Sportverein Tinnum 66 sowei den Konfirmanden, die dazu beigetragen haben, dass wir wieder eine so schöne große Biike haben. Dem Westerländer Musikverein ein ganz besonderes Dankeschön für die musikalische Begleitung.

Der älteste Volksbrauch, der auf unserer Insel noch ausgeübt wird, ist das Biiken. Jedes Dorf ist bemüht, eine große Biike anzuzünden. Auf Sylt wurde der alte Brauch nach den jeweiligen Verboten während der Kriegsjahre wieder aufgenommen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts war es das Vorrecht der Konfirmanden, Strandholz und den damals auch auf Sylt eingeführten Weihnachtsbaum zu sammeln.

Wir sind ein Dorf, das lebt. Wir sind das Dorf der Familien. Bei uns gehen die Lichter auch zur Winterzeit nicht aus. Über 50% aller Jugendlichen unter 18 Jahre, der Gemeinde Sylt/Ost sind Tinnumer. Unsere Konfirmanden sammeln nich heute den Weihnachtsbaum und sitzen nicht nur vorm Fernseher oder PC, sondern wie Sie sehen kommt das Fernsehen zu uns und zeigt dem Rest der Welt, dass hier die Dorfgemeinschaft noch gelebt wird. (und zwar am Samstag abend um 19:30 Uhr in N3)

Die Lebensader der Insel der Tourismus, die traditionelle Lebensweise der Einheimischen sowie die Natur führen immer wieder zu Begehrlichkeiten und Fremdbestimmungen. Seit Generationen kämpfen wir für unsere Insel. Mitunter zeigt die Geschlossenheit Wirkung.

Das Bundesministeriom für Verkehr änderte die Ausschreibung für die Notschleppkapazität in der Nordsee - ein Erfolg für unsere Küste. Nummehr soll erneut eine europäische Ausschreibung durchgeführt werden, bei der sich auch die Reederei des einzigen deutschen Hochseeschleppers "Oceanic" beteiligen kann. Im Vorfeld war es zu einem Sturm des Protests an der gesamten deutschen Nordseeküste gekommen, da due Verwaltung des Bundesverkehrsministeriums angeblich aufgrund modernster Erkenntnisse nur einen Schlepper wollte, dessen Tiefgang an keiner Stelle sechs Meter überschreiten darf.

Bereits seit zwei Jahren liege ein Entwurf für ein Nachfolgemodell der "Oceanic" vor, dass die zukünftigen Anforderungen erfüllen soll. Dieses von deutschen Schlepperfirmen entwickelte Modell kann mehrere Aufgaben auf See erfüllen und besitzt neben mehr Zugkraft und Feuerlöschkomponenten auch einen variablen Tiefgang. Ein Schiff dieser Art solle dann von deutschen Werften gebaut und von den Schleppreedereien mit einem langfristigen Chartervertrags betrieben werden. Dazu wird in absehbarer Zeit ein Interessenfindungsverfahren seitens des Verkehrsministeriums durchgeführt, in dem alle Interessen der interessierten Reedereien ihre Vorschläge einbringen können. Hoffen wir, dass den verantwortlichen Politikern in Berlin durch unsere Biike als Feuerzeichen ein Licht aufgeht und die Stimme der Küste [ge]hört [wird].

Entgegen unserem Votum und der Expertise von Schifffahrtsexperten stimmt der Bundestag in diesem Moment dem Gesetz zur Seefalluntersuchung zu. Zukünftig werden die öffentlichen Anhörungen vor den Seeämtern wegfallen und durch behördeninterne Ermittlungen ersetzt. Seeunfälle, wie die "Pallas" 1998 werden zukünftig nur noch unter Ausschluß der Öffentlichkeit untersucht. Versäumnisse der Behörden wie etwas der Schifffahrtsverwaltung können so zukünftig nicht mehr aufgedeckt werden. Nur die Öffentlichkeit hätte hier für genügend Druck gesorgt, Schwachpunkte im Seeverkehr aufzudecken und so für mehr Sicherheit sorgen zu können.

Bis heute ist das Walschutzgebiet in keiner Seekarte eingetragen, noch von der E.U. ratifiziert. Unseren Fischern ist die hohe Stellennetz- sowie die Gammelfischerei verboten, die sie nie betrieben haben. Dänemark ist das einzige Land in Europa, das einen wesentlichen Umfang der Industriefischerie in der Nordsee betreibt. In Esberg gibt es ungefährr 35 Industriekutter, sowie 30 bis 35 Kutter, die in der Hauptsaison umtakeln, so daß die gesamte dänische Flotte ungefähr 65 - 70 Kutter umfasst. Bis zu 20% Nebenfänge von Hering bei der Sprottenfischerei sind erlaubt. Gegen diese Vorschrift haben 12 Industriefischer im vergangenen Jahr verstoßen. Ihre Schiffsladung enthielt insgesamt 6000 Tonnen Fisch, aber fast keine Sprotten. Die Lizenzen der 12 Fischer sind eingezogen und Dänemark hat ein Verbot gegen die Industriefischer auf unbestimmte Zeit in Grossteilen der Nordsee verhängt. Die ist zu begrüßen und wir können nur hoffen, hier hier unsere Nachbarn diese Art der Befischung weiter einschränken.

Die Bahn macht weiter von sich Reden. Qualität und Preis sowie Anerkennung der Einwohnerkarte sind in der Diskussion. Was ich aber für Paradox halte, ist die Tatsache, das die Gäste, die ihr Fahrzeug mit auf die Insel bringen, den Stadtbus kostenlos benutzen können. Wäre es nicht viel sinnvoller, wenn alle, die ihr Fahrzeug auf dem Festland stehen lassen, auf der Insel kostenlos mit dem Bus fahren können?

Es ist nicht nur Brauch, den Winter zu verteiben, sondern traditionell auch sachlich Kritik zu üben, wenn wird Insulaner von nachteiligen oder unsinnigen Regelungen betroffen sind.

Ich wünsche unserem heutigen Biikefeuer noch einen guten Verlauf und Kindern und Erwachsenen viel Spaß beim morgigen Petritag, der in Tinnum um 14. Uhr im Gasthof zur Eiche stattfindet.