Ansprache von Petra Reiber, Westerländer Biike 2002

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Seit Jahrhunderten stehen die Küstenbewohner Nordfrieslands am Vorabend der Petritages an einem großen Feuer, der Biike. Ob die Biike einst heidnisches Brauchtum war, ist nicht eindeutig erforscht. Als die Sylter noch zur See fuhren, wurde mit dem Feuer Abschied von den Wal- und Robbenfängern genommen, den erst im Herbst kehrten sie wieder auf die Insel zurück. Je weniger auf Sylt die Seefahrt und die Landwirtschaft betrieben wurde, desto mehr entwickelte sich das Biikefest zu einem Volksfest für Jung und Alt. Heutzutage feiern wir mit unseren Gästen aus Nah und Fern dieses Fest. Die Gemeinschaft von Tausenden Menschen um das Feuer zeugt von tiefer Verbundenheit zu dieser schönen Insel und ihrer Tradition.

Das Feuer ermahnt uns, gleichwohl alles zu tun, um dieses einmalige Fleckchen Erde zu schützen und zu erhalten. Jede Sturmflut und jedes zusätzliche Bauwerl sind eine Bedrohung für die Insel. Jeder, der einen Angriff auf die Insel wagt, bekommt die Solidarität der Insulaner zu spüren. So erst geschehen anläßlich der Tariferhöhungen der DB Autozug. Hier hat man die wichtigste Lebensader zur Insel empfindlich getroffen. Die DB Autozug war schließlich zu einer Einigung mit den Insulanern bereit. Wir bedauern allerdings, daß wir bei den Zweitwohnungsbesitzern, die für unsere Insel wirtschaftlich von großer Bedeutung sind, keinen Verhandlungserfolg erzielen konnten.

Im Schein des Feuers werden Erinnerungen an die Bilder des Terroranschlages von New York wach. Wir gedenken der Terroropfer in Amerika und üben Solidarität mit den Amerikanern im Kampf gegen Fanatismus und Terror. In 10 Tagen werden etwa dreißig Feuerwehrleute aus New York bei uns zu Gast sein, um ihren Erholungsurlaub auf Sylt zu verbringen. Die Sylter haben sich ausgezeichnet durch eine große Welle der Hilfsbereitschaft gegenüber den Amerikanern. Es wurden mehr als genug Unterkünfte zur Verfügung gestellt, Betreuungen und Veranstaltungen organisiert. Deshalb steht das Biikefeuer auch für Frieden und Völkerverständigung.

Sylt ist und bleibt eine gastfreundliche Insel, obwohl sie schon lange Opfer zahlreicher Begehrten ist. Insulaner haben deshalb ein gesundes Mißtrauen gegen Scharlatane und Geschäftemacher entwickelt. Wer die Natur liebt und sie pfleglich behandelt, wer sich dankbar hier erholt und nicht abhebt, ist ein wilkommener Gast. Es lohnt sich auch, unsere Kultur und Tradition kennenzulernen. Besuchen Sie die Museen, Naturdenkmäler und Veranstaltungen des Sylter Vereins, der Söl'ring Forining und sie werden feststellen, dass das Sylter Leben nicht allein aus Grundstücksspekulantionen und Sandvorspülungen besteht.

Wir können uns freuen, in diesem Winter von Katastrophen und schweren Sturmfluten verschont geblieben zu sein und darum feiern wir heute und vertreiben mit dem Feuer den Winter.

Ich danke der Polizei, der Freiwilligen Feuerwehr, dem Roten Kreuz, dem Westerländer Musikverein, meine Mitarbeitern vom Bauhof und der Verwaltung, dass sie zum Gelingen dieser biike beigetragen haben und wünsche Ihnen allen ein schönen Abend beim Grünkohlessen.