Ansprache von Bürgervorsteherin Gerda Wimmer, Westerländer Biike 2003

Im Namen der Stadt Westerland darf ich Sie alle sehr herzlich begrüßen.

Es freut mich sehr, dass sich wieder so viele Mitbürger auf den Weg zu unserer Westerländer Biike gemacht haben, dass sie mit uns feiern wollen.

Besonders herzlich begrüße ich heute, als Mitinitiatorin der Aktion "Sylt hilft den Flutopfergeschädigten", zwei Familien aus Bitterfeld, die heute Gäste der Stadt Westerland sind. Wir haben mit der Unterstützung unserer Sylter Bürger, Institutionen, Vereinen, Verbänden und Gemeinden mit einer Summe von ca. 150.000 Euro und vielen Sachspenden direkt in Raguhn und Bitterfeld helfen können. Ihr Geld, liebe Sylter, ist genau da angekommen, wo es dringend gebraucht wurde: Bei den Menschen vor Ort. Danke !!

Unter der Obhut unserer Feuerwehr, der Polizei, Mitarbeiter der Stadt und mit musikalischer Unterstützung des Westerländer Musikvereins sind wir gut unterstützt hier angekommen. Allen Beteiligten, die zum Gelingen unseres wichtigsten Fest des Jahres beitragen, sage ich meinen sehr herzlichen Dank.

Das Biikebrennen ist ein ganz wichtiger Bestandteil unserer friesischen Kultur und unserer Tradition; und diese zu erhalten ist heute wichtiger denn je. Wir halten an unseren Bräuchen fest und feiern mit Ihnen allen das Fest der Biike. Dieses Fest hat eine Geschichte, die sich im Laufe der Jahrhunderte in seiner Bedeutung mehrfach wandelte. Wurde früher auf unseren Thinghügeln unter freiem Himmel Recht gesprochen, am Abend des 21. Februar Wodan zu Ehren ein Feueropfer gebracht, so änderte sich im Laufe der Zeit die Geschichte. Im 17. und 18. Jahrhundert boten Landwirtschaft und Fischfang keine gesicherte Lebensgrundlage mehr auf der Insel; es fuhren viele Sylter als Walfänger in die weite Welt und mehrten mit reicher Beute ihren Besitzstand. Aus dem germanischen Opferfeuer wurde ein Abschiedsfeuer für die Walfänger auf den Inseln und auf dem Festland und zeigte die Verbundenheit aller Friesen.

Die Gegenwart muss von uns so gelebt und gestaltet werden, dass man die Zukunft der nächsten Generationen, die unsere Kinder und Enkelkinder, sichert; es auf jeden Fall versucht!

Unsere Insel muss weiterhin geschützt werden durch Küstenschutzmaßnahmen an den harten und weichen Küsten. Das ist z. Zt. auch gesichert durch kontinuierliche Sandvorspülungen zumindest an der Westseite. Hier helfen Bund und Land. Ansonsten werden wir wieder einmal allein gelassen, dieses Mal in Sachen Bundesliegenschaften. Der Bund macht sich z. Zt. zum Immobilienhai; alle Wohnungen, Häuser und großflächige Areale sollen meistbietend verkauft werden zu Preisen, die von Insulanern nicht zu bezahlen sind. Die Gemeinden Westerland, List und Hörnum sind sehr daran interessiert, diese Gesamtimmobilie zu einem Paketpreis zu erwerben, um sie für unsere Sylter Bürger/innen zu erhalten. Dieses kann natürlich nur geschehen, wenn es für die Gemeinden - kostendeckend - bezahlbar ist.

Aber zwischen geforderten und angebotenen Preis ist eine Lücke von ca. 70 Millionen Euro. Der Bund hat derzeit die Verhandlungen eingestellt. Die Euro – Zeichen glänzen in den Augen von Verteidigungs- und Finanzminister, sie wollen die Großimmobilie Sylt meistbietend verschachern. An die Fürsorgepflicht gegenüber ihren Staatsdienern, wie Soldaten und zivilen Angestellten, die in diesen Wohnungen noch wohnen, wird nicht gedacht! Man will ihnen ihre Heimat nehmen, sie einem ungewissen Wohnungsschicksal überlassen. Man hat ihnen seinerzeit, als der Abzug der gesamten Bundeswehreinheiten auf Sylt bekannt wurde, versprochen, dass ihnen kein Wohnungsnachteil entstehen würde. Die Versprechungen des Bundes sind sehr in Frage gestellt!

Ich fordere den Bund und die zuständigen Bundes- und Landespolitiker dringend auf, Entscheidendes für unsere betroffenen Sylter zu tun. Sehen Sie, als Bund, von entsprechenden spekulativen Verkäufen ab, gehen Sie zurück an den Verhandlungstisch. Nehmen Sie uns die Sorge, dass alles schon gelaufen ist!

Die Gemeinden wären bereit die Liegenschaften im Paketpreis zu übernehmen. Sie, Herr Struck und Herr Eichel hätten das Geld in einem Stück und bräuchten sich nicht mehr um die Substanz zu kümmern.

Ansonsten würden viele Gebäude und Kasernen weiter an Bausubstanz verlieren, weil Sie Jahrzehnte brauchen würden, alles zu verkaufen. Oder möchten Sie vor den diversen Objekten des Bundes das Schild lesen:

" HIER LÄSST DER BUND ALLES VERFALLEN!"?