Ansprache von Bürgermeister Christoph Schmatloch, Morsumer Biike 2006

Liebe Morsumer, liebe Sylter, liebe Gäste
ich freue mich Sie hier heute begrüßen zu dürfen.
Willkommen zur Morsumer Biike!

Hubertus Jessel beschreibt die Biike wie folgt: „Die Flammen der Biike brennen den Winter aus. Die Flammen haben läuternde Kraft. Sie versöhnen, wo Hader und Streit. Sie grüßen die Lieben, die Freunde und Bekannten, besonders aber auch unsere Gäste. Die Flammen rufen die Vergangenheit herauf und leuchten für Freiheit und Frieden. Wo Biiken brennen, steht immer Gemeinsames voran.“

Biike, unsere Biike ist Tradition, Biike ist Heimat, Biike ist aber auch Wandel. Innerhalb von 24 Std. können wir heute am anderen Ende des Erdballs sein. Dutzende von Fernsehkanälen zeigen uns ständig was auf der Welt passiert. Über das Internet unterhalten wir uns in Sekunden mit Menschen auf der anderen Seite des Globus. Globalisierung, die Zauberformel der Industrie und Bankenwirtschaft. Zentralisierung, Strukturreform, Fusion die der Landesregierung! Letzteres auch die der Sylter?

Stellt sich die Frage, wo bleiben bei all dem unsere Dörfer? Fusionsbefürworter richten Ihre ganze Hoffnung nur auf Veränderungen. Die Gegner sehen allzu oft nur Bedrohliches. Beiden Extremen gegenüber ist Vorsicht geboten. Denn einerseits ist Wandel notwendig, andererseits ist die Zukunft nur dann sicher, wenn die kulturellen, geschichtlichen und menschlichen Fundamente gesund und belastbar sind. Die Kultur eines Ortes wurzelt, indem was uns an Überlieferung verfügbar ist. Diese Überlieferung bedarf allerdings der Pflege.

Das Brauchtum zu pflegen, das alte Kulturgut zu bewahren und die Bindung an unsere Dörfer zu vertiefen: Das praktizieren täglich unsere Vereine, Schulen, Kirchen und Feuerwehren in unseren Dörfern. Sie nehmen bereitwillig viel Opfer an Freizeit auf sich, wenn es gilt Tradition und Dorfleben lebendig zu erhalten. Stellt sich nun die Frage: Lässt sich Dorfleben zwischen Tradition und Fortschritt noch unterbringen? Ich meine: ja!

Was zunächst wie ein Widerspruch erscheinen mag, ist keiner: Vielmehr wird gerade jetzt im Zeitalter von Düsenjets, Ferntourismus und europaweit offenen Grenzen, den Menschen noch deutlicher als früher bewusst, was es heißt, Heimat zu haben. Bei der unausweichlichen Diskussion auf Sylt dürfen wir aber eins nicht vergessen: es geht um politische Strukturen, es geht um touristische Strukturen, es geht um Verwaltungsstrukturen.

Es geht nicht darum, alle Lebensbereiche über einen Kamm zu scheren und zu vereinheitlichen. Der Leitfaden der Verantwortlichen muss sein - Lasst die Kirche im Dorf, lasst das Lebenswerte im Dorf. Egal wie die Sylter Landkarte demnächst aussehen wird.

Morsum muss Morsum bleiben.

Haben wir den Mut, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung ist aber kein Privileg von politischen Parteien, sondern jeder von uns hat in seinem Bereich Verantwortung zu tragen. Wenn wir gemeinsam Verantwortung übernehmen, sehe ich sogar eine besondere Chance für uns, für Sylt.

In diesem Sinne möge die Biike ein Hort der Begegnung und der Diskussion, der Besinnung und der Bewusstseinsbildung, der Gemeinschaft und der Pflege unserer Tradition sein.

Ich wünsche unseren Gästen und uns heute eine fröhliche Biike und ein deftiges Grünkohlessen. und morgen Nachmittag den Kindern einen schönen Petritanz und uns einen netten Abend im Muasem Hus.