Ansprache von Gerda Wimmer, Westerländer Biike 2007

Es ist wieder Biike! Wir treffen uns hier am Feuer, um in Gemeinschaft das  Fest der Friesen zu feiern.

Als Bürgervorsteherin der Stadt Westerland und im Namen unserer Bürgermeisterin Petra Reiber begrüße ich alle Sylter und ihre Gäste und freue mich, dass Sie es sich nicht haben nehmen lassen, zu unserer Biike zu kommen und auch als Gäste Sylt einmal außerhalb der Hauptsaison zu erleben.

Viele Insulaner stehen diesem „Biiketourismus“ skeptisch gegenüber, das kann ich aber nur zum Teil nachvollziehen. Es ist doch klar, dass uns diese kleine Saison zwischendurch Gäste bringt, Sie lassen bei vielen auch die Kassen klingeln, das wird gerne angenommen. Seien wir allen also gute Gastgeber und zeigen vielen, wie schön Sylt zu jeder Jahreszeit sein kann.

So ein Tag muss natürlich sehr gut vorbereitet und begleitet werden. Da ist die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Westerland mit ihrer Jugendgruppe, die für Ihre Sicherheit sorgen und das Feuer bewachen, zu nennen. Das DRK, die Polizei, die Mitarbeiter vom Bauhof Westerland und als Organisatorin Frauke Wehrhahn vom Hauptamt der Stadt Westerland, die alle Fäden in der Hand hält, sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Das Rödemisser Blasorchester hat uns zur Biike begleitet und wird auch diese Veranstaltung musikalisch begleiten; ein herzliches Dankeschön  an alle Beteiligten!

Wir stehen nahe an der Nordsee, nur die Dünen trennen uns vom Wasser, welches sich heute recht ruhig zeigt. Vor  einem Monat hatten wir hier eine ganz andere Situation. Viele Stürme in knapper Zeitfolge machten der Insel sehr zu schaffen; unsere sandigen Küsten wurden zu einem großen Teil weggefegt, der Dünenfuß wurde an vielen Stellen angegriffen; das Meer holte sich alles das, was in mühsamen und teuren Sandvorspülungen zu unserem Schutz und zum Schutz der gesamten Westküste vorgespült worden war.

„Kyrill“, der Orkan, der ganz Deutschland noch viel intensiver traf als die Insel, setzte den vielen Stürmen der letzten Monate die Krone in Sachen Berichterstattung  der Medien auf.  Die Insel wurde förmlich überlaufen von Journalisten, die wohl so ein bisschen damit rechneten, dass es zum Schlimmsten kam. Aber es passierte etwas ganz anderes. Unser Ministerpräsident kam zeitgleich mit „Kyrill“ zu uns, und er brachte sehr gute Nachrichten mit.

Es wurden durch die Landesregierung Mittel freigegeben, die uns in die Lage versetzen werden, die Insel noch mehr durch zusätzliche Sandvorspülungen zu schützen und den Dünenfuß zu stabilisieren. Sylt ist für uns nicht „die Insel der Reichen und Schönen“, unsere Insel ist nicht dem „baldigen Untergang geweiht“ – unser Sylt ist und bleibt unsere Heimat, die es zu erhalten gilt. Zudem ist der Küstenschutz der Insel gleichzeitig wichtig für die gesamte Westküste, durch die Stabilisierung der Küsten sind wir weiterhin das Bollwerk für Nordfriesland.

Wir bedanken uns bei der Landesregierung und damit natürlich bei unserem nordfriesischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen für die spontane Aufstockung der Mittel, die erst durch Umschichtung in anderen Bereichen möglich ist.

Der Kreis Nordfriesland ist damit sicherer geworden in seiner Substanz, aber mit Sorge hören wir, dass das Land im Zuge einer Kreisgebietsreform unseren über 2.000 qkm (fast doppelt so groß wie der Durchschnitt aller 323 Landkreise in Deutschland) Kreis einem Großgebilde einverleiben will. Den Kreis NF gäbe es dann nicht mehr. Wir haben den guten Willen in allen Bereichen weiter zu kooperieren, die Verwaltungen schlanker zu machen, die Bürokratie abzubauen, aber wir werden für den Erhalt kämpfen und sagen: „Wir sind Nordfriesland!“ Und diesen Satz müsste auch unser nordfriesischer Ministerpräsident unterschreiben und von einer „oben“ geplanten Gebietsreform absehen.

Ja, liebe Biikebesucher, so ein bisschen Insel und Kreispatriotismus darf an so einem Tag schon mal anklingen. Ihnen allen wünsche ich einen guten Verlauf des Abends und danke für Ihre Aufmerksamkeit.