Ansprache von Bürgermeisterin Petra Reiber an der Westerländer Biike.

Liebe Sylter, verehrte Gäste,

seit langer Zeit ist es schon Brauch, sich am Abend des 21. Februar an der Biike zu versammeln, um gemeinsam mit anderen am wärmenden Feuer zu stehen.

Das Biikebrennen, das nach der Überlieferung als Abschiedsgruß für die in See stechenden Walfänger gedacht war, ist heute ein Willkommen für Sylter, die in der Ferne leben, für Freunde und Liebhaber der Insel, die extra zu diesem Fest anreisen. Es ist ein Treffpunkt für Junge, Alte, Einheimische und Fremde, die am lodernden Feuer ein großes Gefühl von Gemeinsamkeit und Verbundenheit mit unserer Insel, mit unserer Heimat, verspüren.

Regelmäßig wird die Rede an den Biiken der verschiedenen Orte genutzt, um auf Probleme hinzuweisen und mahnende Worte zu sprechen. Meist folgen den Worten keine Taten.

Aus diesem Grund möchte ich das Feuer heute nicht als Mahnmal, sondern vielmehr als Zeichen für Wärme, Licht, Gemeinsamkeit und Hoffnung sehen.

Wärme, die uns die Aufbruchstimmung nach Ende des Winters signalisiert. Das Licht, das uns den klaren Blick über den Tellerrand ermöglicht. Gemeinsamkeit, die jährlich wiederkehrend eine friedliche Versammlung tausender von Menschen darstellt, und Hoffnung, die es uns ermöglicht, nach vorn zu blicken, Ziele ins Auge zu fassen und uns durch Hindernisse und Rückschritte nicht von unserem Weg abbringen zu lassen.

Unser Ziel muß es bleiben, unsere Natur und unseren Lebensraum zu schützen. Auch wenn die größten Bedrohungen nicht von uns selbst ausgehen, kann eine wirkungsvolle Veränderung nur geschehen, wenn jeder zuerst bei sich selbst anfängt.

Wir können nicht erwarten, daß unsere Gäste ihr Auto stehen lassen, wenn wir selbst dazu nicht bereit sind.

Wir können nicht insulare Zusammenarbeit fordern, wenn nicht jeder einzelne über seinen Schatten springt und den ersten Schritt macht. Es gibt zum Glück einige gute Beispiele insularer Gemeinsamkeit.

Die Bädergemeinschaft Sylt ist eines der wenigen Gremien, das unsere Insel als Ganzes betrachtet. Die Veränderungen der Gesellschafter bei der Flughafen GmbH zeigen, daß die öffentliche Hand sehr wohl gut mit Vertretern der Privatwirtschaft zusammenarbeiten kann, und das offene Tourismusforum demonstriert Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Bürgern zum Wohle unserer Gäste.

An diese guten Beispiele möchte ich heute anschließen. Sie alle werden über das Ulmensterben auf Sylt informiert sein, gerade Keitum, als grünes Herz unserer Insel, ist ganz aktuell in großem Umfang davon betroffen. Als Symbol für nachbarliche Zusammenarbeit möchte ich darum im Namen der Stadt Westerland für unsere Nachbargemeinde einen Baum spenden.

Auch sollten wir einen Beitrag leisten, der einen Bezug zur Biiketradition hat. Haben die Sylter früher vom Walfang gelebt, so wird heute der Walschutz gefordert, denn wir haben einiges an der Natur wieder gutzumachen. Deshalb ist es angebracht, die Einrichtung eines Walschutzgebietes zu überdenken, wenn der Küstenschutz und die touristische Nutzung ohne Einschränkung durch Behördenwillkür weiterhin Bestand haben.

Ich hoffe, damit zwei Zeichen gesetzt zu haben, die andere zum Mitmachen animieren. Lassen Sie sich nicht entmutigen. Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

Meine Damen und Herren,
das Biikebrennen könnte nicht stattfinden ohne die Mithilfe der freiwilligen Feuerwehr des DRK, der Polizei, des Westerländer Musikvereins und der Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Ihnen gebührt ein Dankeschön für ihren Einsatz.
Ich wünsche Ihnen noch einen fröhlichen Abend bei Grünkohl und Musik und ein geselliges Beisammensein.


Zurück zum Titel. Letztes Update: 21. Februar 1998. Kontakt: Martin Borus.