Ansprache von Ose Köster für die Norddörfer-Biike Kampen.

Lef söl'ring Lönsliren - lef Frinjer en Gasten fan't Fastlön!

Üs ik en litj Faamner wiar, stön ik ön Hun fan min Mootje uk al bi üüs Biike - san litj bet fiirer hen tö Nuurd bi di Bröns-Hooger. Üp di diarem Hoog tjent's uk di Biike ön, wan di leest gurt Kriig fuarbi wiar. Da stönen diar man san enkelt Liiren üt Terp ombi. Nü haa wü ja sa fuul Bisjuk bi üüs Biike-Jöl, wat guar ek sa rocht wett ken, huarom wü Söl'ring dit ual Brükdom ek auriit wel.

Dit Uurt BIIKE es sacht dit salaf üs BAAKE - en dit weet's wes altermaal, es en Teeken fuar Seeliiren en Skepers, om jam di rocht Faarweeter tö weegin. Om dit rocht Faarweeter üp See en ön Lön tö finj, diarom ging't uk al fuar düsend en muar Jaarn de ual Fuarfaarn fan di Söl'ring.

Wan di Februwari-Muun tö jen kam, buar di Haidens-Germanen en üüs Lönskep tö jaar Got Weden of Thor om en guar Jaar: di Lönman om Seegen fuar eeker - en Ingelön, die Seeman om gur Winj en lekelk Faart. Ja aawert Dirter en ja toogs me aliman üt fant Terp hen tö en Hoog en stapelt en gurt Klaamp fan Holt en Stre. Booven üp kam da en Streman. Di skel die arig Winter wiis en nü frbronen waar.

Wann da di Biike sa rocht in Gang wiar me dit Jöl, da noom Maaner en Wüfen, Jungdrenger en Jungfaamner her jam altermaal bi Hun' en soong diarbi tö Iaren fan Weeden en die Tön'ergot Thor. Töleest, jer dit Biiken hiil dialbronen wiar, sproong Jungen en Ualn dör di Jemern, om di Biiken-Nistn skel jam fuar Kraanker biwaari.

Bit es nü al lung sent. Man üüs Biike waar jit altert bronnen, uk üs di Söl'ring Kristen waar. Hat bikam bluat en über Bedüüding. Di Biikejöl waar nü diarfur, om ali Liiren tö Ting töhop tö röpen of jam tö waarskauin, wan Kriig of Uarlef ön Sicht wiar. Da kams üt ali Terper tö di Ting-Hooger om aur Löns Beesten tö bireeren.

Üs da leeterön Föögers üp Söl iinset wiar, jeft it di Uurs-Ting üp Pidersdai, di 22. Februwari, en Inj diarof wiar't Biikebrennen. Piderdai me Tingleesen kam da achterön, en wan da di Söl'ring Raatliir Rocht spoken her, gingt luas me Daanseri döör di hiili Nacht. Hat wiar da uk achterön Tiir fuar ali Seeliiren Farwel tö siin tö jir Ajn. Daagen achter des bliir Stünen siilt hen tö Hamborig of Holland en fiirer tö Walfeskfang. Da wiars bt hen tö Harefest üp See önnerwai, en da taach's wes en seeker töbeek tö Biike en Pidersdai, en leengt eeder jaar Ithüs üp Söl.

En nü wel wü üüs deling jir altermal früge, hat wü bi üüs Biike stuun ken in FREER en SÜNHAIR! Wü wel diarau teenk, wat üüs Ailoön fuar üüs bedüüdi. En diarme meen ik uk üüs ual Söl'ring Spraak en dit Brükdom fan üüs Fuarfaarn. Töleest nü tö üüs Besjuk fant Fastlön, üüs fual Gasten jür ombi, di sa hol tö Söl kumt en di sa bliir sen au di INSELNATUR: wü ber jam, ek tö foriiten, dat wü üüs Dünemer, üüs Hiir, üüs Klef en Heef bihual wel!
En hat es gur, wan uk danen di nü üp Söl jir nii Uuning funnen ha, bi ja daagligs Aarber en Dön Beskiir weet, hur 's nü Itüüs sen.

En nü wel wü ek üüs Lönsliir auriit, wat bütlön ön des Stün wes tö Söl en Biike töbeek leengt: Wü grööt jam altermaal me üüs Ledji: "Üüs Söl'ring Lön"

(Übersetzung aus dem Söl'ring / Syldringisch)
Liebe Sylter Landsleute, liebe Freunde und Gäste vom Festland!

Als ich ein kleines Mädchen war, stand ich auch schon an der Hand meiner Großmutter an unserer Biike - ein wenig weiter nördlich bei den Brönshügeln. Dort auf dem Brönshoog wurde auch die Biike angezündet als der letzte große Krieg vorbei war. Damals standen nur ein paar Leute aus dem Dorf dabei. Und nun haben wir so viele Besucher bei unserem Biikefeuer, die gar icht so recht wissen können, warum wir Sylter dieses alte Brauchtum nicht in Vergessenheit geraten lassen wollen.

Das Wort Biike ist etwa dasselbe wie Baake. Und, das weiß man wohl, ist ein Zeichen für Seeleute und Schiffer für das richtige Fahrwasser. Um dieses richtige Fahrwasser auf See und an Land zu finden, ging es auch unseren Vorfahren vor tausend und mehr Jahren.

Wenn der Februarmonat zuende ging, beteten die heidnischen Germanen in unserem Landstrich zu ihren Göttern Wodan und Thor um ein gutes Jahr: Der Landmann um Segen für Äcker und Weiden, der Seemann um guten Wind und Glück auf der Reise. Sie opferten Tiere und zogen alle zusammen aus dem Dorf an einen Hügel, stapelten einen großen Haufen Holz und Stroh mit einem Strohmann obenauf, der den argen Winter bedeuten sollte und verbrannt wurde.

Wenn das Biikefeuer richtig in Gange war, faßten Männer und Frauen, Burschen und Jungfrauen einander an den Händen und sangen zu Ehren von Wodan und Thor. Wenn das Feuer beinahe heruntergebrannt war, sprangen alle durch die Glut, weil die Biikenfunken vor Krankheit bewahren sollten.

Das ist nun alles lange vorbei, doch auch als die Sylter Christen wurden, gab es Biikebrennen; Es erhielt nur eine andere Bedeutung. Das Feuer wurde ein Zeichen, das alle Inselleute zu einem Thing zusammenrief oder als Warnung vor einem nahendem Krieg oder Unheil angezündet wurde. Dann kamen alle zur Beratung zusammen, das Beste für die Insel zu beschließen.

Als später Inselvögte eingesetzt wurden, gab es das Frühjahrsthing am Petritag, dem 22. Februar, an dessen Vorabend die Biikefeuer leuchteten. Wenn dann Petritag mit Thinglesen und Rechtssprechung vorbei war, ging es los mit der Tanzerei, fast die ganze Nacht hindurch. Denn für alle Seeleute bedeutete es, nun bald Abschied zu nehmen! Nach den schönen Stunden segelten sie nach Hamburg und Holland, um von dort aus auf Walfang zu gehen. Meistens waren sie bis zum Herbst unterwegs und dachten gewiß oft zurück an Petritag und Biikebrennen und sehnten sich nach ihrer Heimatinsel.

Wir aber wollen uns nun heute miteinander freuen, daß wir in Frieden und Gesundheit wieder einmal hier an unserer Biike stehen können. Und wir wollen daran denken, welche Bedeutung diese Insel auch für uns Heutige hat. - damit meine ich auch unsere uralte Sprache und das überlieferte Brauchtum.

Zu unseren Besuchern vom Festland aber möchte ich sagen: Wie freuen uns, wenn es Ihnen bei uns gefällt und Sie hier gute Zeiten verbringen und beglückt sind von der Inselnatur. Aber wir bitten Sie, nicht zu vergessen, daß wir unsere Dünen, unsere Heide, unser Kliff und das Watt so behalten möchten, wie sie - noch - sind!
Und es ist gut, wenn auch diejenigen, die hier ein neues Zuhause gefunden haben, bei ihrem täglichen Tun darauf achten, wie es um ihre Umgebung steht.

Laßt uns zu Schluß nicht unsere Landsleute auf dem Festland vergessen, die in dieser Stunde sicherlich an Sylt und seine Biikefeuer denken.

Wir grüßen sie alle mit unserem Insellied: "Üüs Söl'ring Lön".


Ansprache von Bürgermeister Klaus Koehn für die Norddörfer-Biike Kampen

Lev sölíring Liir, liebe Norddörfer, liebe Freunde unserer Insel, liebe Gäste. Seit vielen hunderten von Jahren haben sich die Sylter einmal im Jahr an der BIIKE zusammengefunden. Selbst wenn sich der Sinngehalt in den Jahrhunderten gewandelt hat, für uns Sylter ist er der wichtigste Tag im Jahr. Für viele sogar wichtiger als das Weihnachtsfest, kommen die Sylter aus weiter Ferne zu BIIKE, um an diesem Tag mit ihren Familien und Freunden zusammen zu sein. Es ist eine gute Tradition, die wir beibehalten, auf die wir nicht verzichten wollen.

Es gibt zwei gute Gründe dafür: Zum einen gibt uns dieser Tag die Möglichkeit, unseren Zusammenhalt zu beweisen, er stärkt unser Selbstbewußtsein, unser insulares Wirgefühl. Wir zeigen, daß wir stolz sind auf unsere Heimat und unsere Stärke denen gegenüber bewahrt haben, die uns von innen und außen auf die vielfältigste Weise bedrängen.
Zum anderen war die BIIKE einstmals das Zeichen zum Thing, dem Tag der Gerichtsbarkeit. Auch heute noch halten wir vor diesen Flammen Gericht - über uns und ob wir den Gefährdungen von innen und außen getrotzt haben.

Wir Sylter leben auf dieser Insel, sie ist unsere Heimat. Wie Sylter leben von dieser Insel, sie unser Ernährer. Wenn wir beides für uns und wenn wir beides insbesondere für unsere Nachkommen bewahren wollen, dann darf zwischen Heimat und Ernährer kein Widerspruch bestehen. Es reicht vollauf, wenn wir von unserer Insel leben können - wenn sie uns ernährt. Es verbieten sich alle Aktivitäten zur Gewinnmaximierung, wenn mit ihnen ein Ausnutzen unserer Natur verbunden ist. Wo aber liegt die Grenze, die das harmonische Miteinander von Heimat und Ernährer bildet und wo droht sie überschritten zu werden - entweder zu Lasten unserer Natur oder zu Lasten unseres Ernährers. In dieser Frage befinden wir uns auf Sylt in einer fruchtbaren Diskussion, die noch nicht abgeschlossen ist.

Wo nun liegen die Gefährdungen für unsere Insel und für uns Bewohner? Die natürlichste Gefährdung ist die Nordsee, die gierig an unserer Insel nagt. Der Schutz unserer Insel, insbesondere der gesamten Westküste, ist eine gesetzliche Gemeinschaftsaufgabe, zu der sich Bund und Land verpflichtet haben. Der Fachplan Sylt beinhaltete noch vor wenigen Jahren jährliche Sandaufspülungen bis zu 20 Millionen Mark pro Jahr. 1997 wurden Aufspülungen in Höhe von 12 Millionen als notwendig erkannt und beantragt. Bewilligt wurden etwas mehr als 7 Millionen und für dieses Jahr spricht man in den Diensträumen auf dem Festland schon in einer Größenordnung von nur noch 3 Millionen. Gewiß wollen wir Sylter nicht mehr haben, als für den Schutz unserer Küste notwendig ist. Doch wenn sich der Abwärtstrend der Bewilligungen fortsetzt, dann sind wir bald bei Null angelangt. Mit Null aber lassen sich Notwendigkeiten nicht bezahlen. Als eine weitere Gefährdung, ja, als schleichende Enteignung, werden von vielen Syltern die Planungen der Landesregierung hinsichtlich des Naturschutzes empfunden, zum Beispiel die geplante Änderung des Nationalparkgesetzes.

Seit über 10 Jahren haben wir einen Nationalpark Wattenmeer - ein gültiger Kompromiß nach hartem Ringen. Wir leben mit dem Nationalpark und wir stehen zu dem Nationalpark. Nun aber kommt uns die Landesregierung mit einem achthundert Seiten dicken Ökosynthesebericht, in dessem Schlußteil festgestellt wird, daß alles viel zu klein sei und die Grenzen bis weit auf unser Eiland ausgedehnt werden müßten. Ein großer Teil unserer Insel ist dann Bestandteil des Nationalparks mit all seinen restriktiven Beschränkungen. Angestammte Lebensweisen und Brauchtum sind dann nicht mehr möglich. Die Landwirte, die Jäger, die Angler, die Fischer, die Segler, um nur einige wenige zu nennen, unterliegen dann Beschränkungen, die ihr ganzes Tun in Frage stellen.

Einige dieser Gruppen sind in Sondergesprächen Kompromisse eingegangen, zum Beispiel, in denen ihnen die Nutzung oder Beschäftigung für weitere fünf oder zehn Jahre zugestanden wird. Sie haben sich darauf eingelassen, weil sie glauben, daß damit Optionen auf eine Verlängerung verbunden sind. Glauben Sie nicht daran, nach Ablauf dieser Fristen wird es keine Verlängerung mehr geben. Wehret den Anfängen, wenn angestammtes Brauchtum auch den Nachkommen bewahrt bleiben soll. Der Ökosynthesebericht ist nur ein Plan. Da sind noch das Landschaftsprogramm, das Biotopverbundsystem, der Biosphärenplan, das trilaterale Wattenmeerabkommen und alle diese Pläne greifen inhaltlich ineinander über. Mit anderen Worten: Wird der eine Plan nicht verwirklicht, dann greift der andere - sie haben alle dieselbe Zielsetzung.

Es wird uns Bürgern versprochen, in alle Bereiche der Planungen eingebunden zu sein. "Ergebnisoffene Diskussion" lautet diese Zauberformel. Nur, was ist davon halten, wenn der uns informierende Fachmann ausschließlich aus dem Kreise derer kommt, die diese Pläne verwirklichen wollen. Ich denke, wie haben ein Anrecht darauf, fachlich richtig, aber wertfrei und neutral darüber informiert zu werden was uns blüht, wenn sie aus unserer Heimat und unserem Ernährer eine Ökowiese gemacht haben. Auf Sylt wurde schon Naturschutz betrieben, da waren die heutigen Glücksverheißer noch gar nicht geboren. Überall im Lande lodern in uralter Tradition zur Mitsommernacht die Feuerhaufen. Selbst an unseren Stränden, an denen es am ungefährlichsten wäre, ist uns das verboten.

Vor wenigen Tagen verteufelte in einem Leserbrief ein Kreistagsabgeordneter aus der Gruppe der Umweltbewegten unsere Biikefeuer als ökologischen Frevel und pries die Zukunft der Weihnachtsbäume und des Heckenschnitts in ihrer Qualität als Schreddergut. Wer sich an unseren Traditionen versündigt, steht außerhalb unserer Gemeinschaft.

Wir Sylter wollen keine Fremdbestimmung.
Wir haben mit unserer schönen Insel ein großartiges Erbe übernommen und wir sind verantwortungsbewußt genug, dieses Erbe so zu pflegen, damit wir es ungeschmälert in die Verantwortung unserer Nachkommen übergeben können.

Ich danke den Musikern des Norddörfer Musikvereins für ihre Treue, mit der sie uns auch in diesem Jahr wieder zur BIIKE begleiten. Ich danke unseren Kindern und Jugendlichen und den Männern, die in tagelanger Arbeit diese schöne BIIKE aufgeschichtet haben. Ich danke Ihnen, meine Damen und Herren, für Ihr Verständnis, auf dem Heimweg nicht über die Abgrenzungen zu treten. Wir befinden uns hier auf einem Privatgelände und möchten uns auch im nächsten Jahr hier wieder zur BIIKE einfinden.

Erleben Sie jetzt die Gewalt der Flammen und nehmen Sie unsere BIIKE, wie wir sie als Mahnmal nehmen, uns zusammen zu finden und einig und stark zu sein, damit wir den Gefährdungen trotzen können.


Zurück zum Titel. Letztes Update: 22. Februar 1998. Kontakt: Martin Borus.