Ansprache von Ulrike Winger, Keitumer Biike 1999

Lef Kairemböör, lef Frinjer, lef Gasten!

Deling sen wü weder töhop kemen, om sa üs ual Brükdoom "Biikebrennen" tö fiiren. Teenk om, hat es di leest Biike ön des Jaardüüsend.

Wan ik om di leest fiartig Jaaren töbeck teenk, (fuul leenger ken ik ek teenk) da her di Biike öntmenst taumol en üder Stair fingen, om dat trinjom Tipkenhoog sa maning nii Hüüsinger becht uuren sen.

Ik ken jit gur teenk, dat di Dreenger danen friimaaket uur skul, me en Kaswain döör Terp toog, en di ual Jöölbosker en Sprokholt üt de Gaarter haalet haa, om dit da üp Tipkenhoog tö staplin. Di gurt Dreenger haa jir büten bi di Biike waaket, dat diar saacht nemen fuar di Tir fan di üder Terper kam, om di Stak ön di Gang tö seeten. Töögen Miarnacht kam da Liren üt Terp en haa jam me Iit en Drink forsörigt.

Üüs Terp es sent des Tir temelk wat gurter uuren - em ken sii, me nii becht Hüüsinger, man ek me Mensken. Sa jeft dit uk ek maur nööchen Böörichsters wat bi di Biikesaamlin help ken. Sa mut da arkjen sin Sprok, sin ual Jöölbosk en wat Skramel salev jir hen bring.

En likert es't, sa üs em se ken, weder en faini Biike uuren.

Gur teenk ken ik jit, diar wü üs gurt Jungen ön di Skaar fan dit Biikejöl üs jest Sigaret forsaacht haa. - Liren naan, wat waar mi ööwel diarfan - Man ik sen seeker, dat uk deling jir en litj Faamen staant, wat dit jest Lop rooket. - Pasi saacht üp, dat di dit ek sa giar üs mi !! -

Ek bluat ön üs Terp, naan aliweegen heer höm di Fiir om üs ual' Brükdoom "Biikebrenen" foanert. Wan üs germaansk Fuaraal'ern jit dit jöl öntjent haa tö Iaren fan "Gott Wodan", en di Söl'ring ön di forgingen Jaarhönerten üt di Biikejöl en Faarwel fuar di Söl'ring Seelir, di weder üfan skul diarüt maaket haa, sa es dit fuar üs deling en Jöl, wat eeder dit ual Brükdoom ofhölen uur.

Di junk Jaarstir es fuarbi, di Uurs bigent, (uk wan wi jit me kuul en bruusig Weder reekni skel.) Fan nü of ön es dit tö markin dat di Daager leenger uur, di Sen staant al wat hooger bi Hemel. Ön üs dialk Gaarter bigen di jest Uursbloomen tö blostrin. Ön maning fan di junk Hüüsinger, hur Wunterdai nemen ön uunet, brent weder Leecht, man ek aliwegen, somen bliiv junk en stuun uk förterhen lerig. Ik wel hööpe, dat di naist Wuntern üüs ek jit muar junk Hüüsinger bring.

Ik früge mi aur di Maaten, dat diar ön di leest Muunen weder muar Kairem Jungen tö Warel' kemen sen. Sa ken wü hööpi, dat wü uk di naist jaarhpnert en leewendig Terp bliiv, en altert "Biikebrenen" en Pidersdai fiire ken.

Sa wenski ik Juu altermaal jit en faini Inj, me en sön'er Greenkual, en fuar di Pidersdai fuul Forgööring.

En nü maak ik, dat wü altermaal töhop "Üs Söl'ring Lön" sjung.

Liebe Keitumer, liebe Freunde, liebe Gäste.

Heute sind wir wieder beisammen gekommen, um wie jedes Jahr den alten Brauch des Biikebrennen zu feiern. Denkt daran, es ist das letzte Mal in diesem Jahrtausend.

Ich kann mich nur an die vergangenen 40 Jahre zurückerinnern.
Die Biike hat seit dem ein- oder zweimal den Platz gewechselt, zum Schutz der vielen neuen Häuser, die um den Tipkenhoog herum neu erbaut wurden.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, als das Brennmaterial noch von den Konfirmanden zusammengesammelt wurde, die mit einem Kastenwagen durch das Dorf zogen und alte Weihnachtsbäume und Sprockholz aus den Gärten holten, um es dann auf dem Tipkenhoog zu stapeln.
Die jungen Leute hielten auch draußen bei der aufgestapelten Biike Wache, damit niemand aus den anderen Dörfern den Haufen vor dem 21. Februar anzündete. oft wurden sie so gegen Mitternacht mit Essen und Trinken versorgt.

Unser Dorf ist seit dem sehr viel größer geworden, an Häusern, nicht an Menschen. Heute gibt es hier nicht mehr genügend Konfirmanden, die beim "Biikesammeln" helfen können, und so muß jeder sein Sprockholz, seinen Weihnachtsbaum und sonstigen Kram selber herbringen.

Trotzdem ist es, wie man sieht, wieder eine sehr schöne Biike geworden.

Ich erinnere mich noch gut, wie wir als Kinder im Schutz des Feuers unsere erste Zigarette geraucht haben. - Meine Güte ,wie wurde mir da schlecht. - Ich bin sicher, daß auch heute hier irgendwo ein kleines Mädchen steht, das zum ersten Mal raucht - Paß bloß auf, daß es Dir nicht wie mir ergeht.

Nicht nur im Kleinen, auch im Großen hat sich das Fest der Biike verändet. Haben unsere germanischen Vorfahren noch zu Ehren des Gottes Wotan gefeiert, und die Sylter in den vergangenen Jahrhunderten mit dem Feuer die Sylter Seeleute verabschiedet, die wieder auf große Fahrt gingen, so feiern wie heute nach altem Brauchtum, aber mit anderer Bedeutung.

Die dunkle Jahreszeit ist vorbei, der Frühling beginnt, auch wenn wir noch mit kaltem und stürmischem Wetter rechnen müssen. Aber man spürt, daß die Tage länger werden, die Sonne steht höher am Himmel. In unseren schönen Gärten blühen die ersten Frühlingsblumen. In die vielen dunklen Häuser, die im Winter unbewohnt sind, zieht wieder Leben ein, - leider nicht in alle, einige werden auch weiterhin leerstehen.

Begrüßen wir also mit der Biike den Frühling, den Beginn der neuen Saison und hoffen wir, daß uns die nächsten Winter nicht noch mehr dunkle Häuser bescheren.

Ich freue mich besonders, daß in den letzten Monaten wieder Keitumer Kinder auf die Welt gekommen sind und hoffe sehr, daß wir auch im nächsten Jahrhundert eine lebendige Gemeinde bleiben werden


Ansprache von Christian Duwe, Keitumer Biike 1999

Heute am 21. Februar darf ich eine alte Tradition fortsetzen und sie alle, Keitumer und Gäste, Erwachsene und vor allem Kinder und Jugendliche ganz herzlich begrüßen.

Ich freue mich, daß auch heute dieser friesische Brauch des Biikebrennen Menschen in Bewegung bringt und heute in allen Inselorten zusammenkommen läßt. Es gibt nicht mehr viele von diesen Anlässen - um so wichtiger wird die Biike heute für uns.

Was ist das Geheimnis dieser über Jahrhunderte bewahrten Tradition? Auch wenn der Ursprung in mythischer Vergangenheit liegt, und Biikebrennen für "Warnfeuer bei drohender Gefahr", als Signalfeuer für den Thing-Tag - wo Recht gesprochen und Streit beigelegt wurde, für Abschied und Aufbruch der Walfänger ebenso wie Gemeinschaft und Zukunft eines Dorfes steht, hat es meiner Meinung nach immer noch eine aktuelle Bedeutung.

Da stehen wir also hier in Keitum am Thinghügel und nehmen Abschied von diesem Jahrtausend, von den Ulmen, von einer beziehungsreichen Dorfstruktur und manch ein alter oder junger Keitumer nimmt Abschied von gewohnter Nachbarschaft - weil keiner mehr da ist. Ja ein Warnfeuer ist die Biike, aber die Warnungen sehen und der Gefahr Einhalt gebieten, das müssen wir tun!!

Keitum - das schönste Dorf der Insel - ist inzwischen ein Tourismusindustriegebiet. 22 Restaurants, Cafes und Bistros, 20 Boutiquen, 21 Kunsthandwerker und Galerien, 17 Läden für Kleidung und Ausstattung, 19 Betriebe wie Makler, Fahrradverleih, Reitstall, Appartmentvermietung und 8 Hotels sind hier angesiedelt und nur ein Lebensmittelmarkt, 4 Bauern, 3 Bäcker, ein Blumenladen, ein Kinderspielplatz und die Grundschule mit Kindergarten sind neben 10 Handwerksbetrieben übrig geblieben für die Dinge des täglichen Bedarfs. Verkehrsprobleme, Parkplatznot, Wohnraummangel sind die Folge dieser Entwicklung.

Aber Biike hat seine Bedeutung auch heute noch in der Pflege der Gemeinschaft. Heute abend hier, wenn wir uns umsehen und einander freundlich begrüßen, wenn Väter und Mütter mit ihren Kindern Fackeln tragen und dann in das Feuer werfen, bei den Jugentlichen, die mitgeholfen haben beim Zusammentragen der Holzstoßes und letzte Nacht hier Wache gehalten haben, bei der Sölring, die nach Kräften Sprache und Brauchtum pflegt. Gemeinschaft entsteht gleich eim anschließenden Grünkohlessen in kleinem oder großem Kreis, bei der Kameradschaft der Feuerwehr beim Turnverein oder beim Kirchenchor und manchmal auch in der Gemeindevertretung wird Dorfgemeinschaft gepflegt und Zukunft gestaltet.

Ein Wort zu der immer größer werdenden Zahl der Gäste und Sylt-Liebhaber. Auch Sie halten durch Ihre Anwesenheit dieses Fest am Leben. Sie nehmen teil am friesischem Brauchtum und fühlen sich hoffentlich aufgenommen und willkommen. Auch als Gast kann ich Einfluß nehmen und mithelfen an der Bewältigug von Problemen, z.B. wenn Sie Ihren Wagen stehen lassen oder für neue Bäume in Keitum spenden.

Ich setze darauf, daß auch in Zukunft das Biikebrennen seine Bedeutung behält und die Kraft des Feuers uns zusammenführt zur Mahnung und Freude.

Zum Schluß möchte ich nochmal allen danken, die mitgeholfen haben, dieses Fest zu gestalten. Ich danke insbesondere den Jugendlichen und der Keitumer Feuerwache, der Medelbyer Feuerwehrkapelle für ihre musikalische Begleitung, den Gemeindemitarbeitern für ihren Einsatz beim Aufschichten und Herrichten des Platzes, dem Ortsbeirat als Veranstalter und der Kurverwaltung für eine Spende.

Jetzt wollen wir gemeinsam das Lied "Üs Sölring Lön" singen.
Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Biike-Abend.