Ansprache von Bürgermeister Helge Jansen, Rantumer Biike 1999

Guten Abend,
all denen, die hier um die Biike versammelt sind.
Guten Abend liebe Gäste, guten Abend liebe Rantumer!

Es ist die letzte Biike in einem Jahr, in dem wir die Jahreszahl mit Neunzehn beginnen. Wir stehen vor dem Wechsel eines Jahrtausends.

Die Biike hat Jahrhunderte überdauert und ich bin überzeugt, daß es vor einem Jahrtausend in Rantum auch schon eine Biike gab. Den Beweis muß ich schuldig bleiben. Leider muß ich auch darauf verzichten, belegen zu können, wie sich die Rantumer in den zehn vergangenen Jahrhunderten gegen die Gefahren, die den Ort bedrohten, zur Wehr gesetzt haben. Dreimal mußte man den Naturgewalten weichen, dreimal wurde dieser Ort an anderer Stelle wiederaufgebaut.

Trotzdem gab und gibt es immer noch dieses Dorf.
Rantum lebt - immer noch.

Es mang daran gelegen haben, daß die Menschen, die Rantumer mit ihren Familien und Freunden Gemeinschaft und Zusammenhalt gepflegt haben, so wie wir heute an der Biike.

Das Feuer scheint, das Feuer mahnt.
Die Biike mahnt zum Bekenntnis zu diesem Ort

Wir wissen, daß die Zukunft dieses Ortes stets bedroht wurde, auch heute sehen wir uns den Gefahren ausgesetzt, die diesen Ort auslöschen können.

Die Nordsee mit ihrer natürlichen Gewalt ist die größte nicht berechenbare Gefahr. Das Geld, der Bodenwert, die Gewinnabschöpfung ist eine weitere Bedrohung für das Zusammenleben im Dorf. Zu dem hat sich eine Bedrohung entwickelt, mit der wir vor zehn Jahren kaum rechnen konnten:
Von denen, die uns Vertreten sollen, von den Vorlksvertretern, wird unser Lebensraum, die freie Welt der Friesen, reglementiert. Heute ist nicht mehr die Herrschaft der Obrigkeit, der sich ein Pidder Lyng zur Wehr setzen mußte. Heute ist es das Konstrukt der Nationalpark-Gesetzes, mit dem pseudodemokratischen Verfahren in dem man "ergebnissoffen" der Natur Freiheiten einräumen will, die sie schon immer gehabt hat.

Es ist ein Aberwitz, den Menschen, die hier leben, die Maximalforderungen von Naturschutzverbänden und examinierten Biologen aufzubürden und sie zu zwingen, sich jahrelang mit Ausarbeitungen zu befassen, deren Wahrheitsgehalt keiner von uns überprüfen kann.

Wenn und die Umweltbehörde des Kreises auffordert, doch einmal darüber nachzudenken, ob wir die Biike nicht mit anderen Orten zusammenlegen können, weil dann die Umweltbelastung durch die Verbrennung von Holz und Reisig geringer wäre, dann ist das ein hervorragendes Beispiel, wie schmalspurig unsere Geschichte beachtet, bewertet und geachtet wird.

Da treibt im November des letzten Jahres ein Schiff brennend durchdie ganze Nordsee. Da fällt unserem obersten Umweltschützer, dem Umweltminister, keine Lösung ein, das Feuer zu löschen. Da läuft dieser brennende Frachter vor Amrum auf Grund, brennt weiter und verliert Öl. Da lassen unsere Volksvertreter, unsere Regierung dieses, nun ausgebrannte Wrack einfach liegen.

Und wir sollen unsere Biike nicht mehr im Ort anzünden dürfen?

Die Kreisverwaltung hat uns auch aufgefordert, die Biiken nicht so groß aufzustapeln, um die Rauchemission gering zu halten.

Nein - gerade jetzt haben wir unsere Biike groß aufgeschichtet, sie soll leuchten hoch und weit, sie soll zeigen, daß wir da sind - wir Rantumer, sie soll zeigen, daß wir leben - mit der Natur zusammen - wie schon viele hundert Jahre.

Unsere Biike soll jedem zeigen, daß wir den Schutz der Natur, unserer Insel, bejahen, in Gemeinschaft mit Pfanzen, Tieren und dem Mensch. Wir sind zum Dialog bereit. Aber das Diktat eines Gesetzes, das unsere Meinung mißachtet, das gehört in den Grütztopf, so wie einst der Amtmann von Tondern.

Die Niike leuchtet ins nächste Jahrtausend. Die Biike soll uns ein Signal sein, daß wir es schaffen können, die Umweltpolitik einiger, weniger zu stoppen.

In einem Jahr, da wird sie wieder leuchten, die Biike, da werden wir uns auf eine Wahl einzustimmen haben - auf die Landtagswahl, und wir wissen, was wir zu wählen haben - nicht diese Umweltpolitik.

Die Biike von Rantum, möge sie noch lange brennen, noch viele hundert Jahre.